1950 Turnfahrt der Frauenriege

Bericht über die Turnfahrt 1950 auf den Etzel

Einstimmig beschloss man die diesjährige Turnfahrt am Muttertag durchzuführen. Ohne Küchen- und Familiensorgen zu haben, sollten wir einmal den so seltenen Muttertag wirklich geniessen können, unbekümmert um den Einwand, die Mutter sollte an ihrem grossen Fest im Kreis der Familie sein. Das sind wir ja das ganze Jahr.

Am Morgen fuhren wir mit der M. Th. B. um 6 Uhr los. Freudig wurden die Märwiler Kameradinnen begrüsst und froh und guter Dinge erreichten wir Wil, den ersten Umsteigort. Bei strahlendem Wetter gings wieder per Bahn das Toggenburg hinauf bis Wattwil, wo wieder umgestiegen werden musste.

Der Schnellzug der B. T. B. der uns von Wattwil bis Biberbrücke transportierte, führte auch noch einen Speisewagen. Ein guter Kaffee oder Tee half bereits ermüdete Lebensgeister zu wecken, einen Brand zu löschen oder um sich für kommende Anstrengungen zu stärken.

Biberbrücke! Schon wieder umsteigen. Noch eine kurze Fahrt und Einsiedeln, der Ausgangspunkt unsere Fusswanderung war erreicht.
Während die Einen bereits hungrig etwas Essbares knabberten, zogen einige Andere vor, etwas geistige Nahrung zu sich zu nehmen und statteten der prächtigen Klosterkirche einen kurzen Besuch ab.

Nachher wanderten wir den ziemlich wasserarmen Sihlsee entlang, dem Etzel zu. Bevor sich unsere Schar daran machte, seine Südwand schnaufend, schwitzend und mit Herzklopfen zu besteigen, hielten wir noch kurze Rast und assen unser Znüni.

Um die Mittagszeit erreichten wir die Höhe des Etzels. Eine etwas trübe Atmosphäre raubte uns leider die berühmte schone Fernsicht, dafür aber genossen wir umsomehr den einzigartigen Ausblick auf die Zürichseegegend.

Frauenriege Turnfahrt auf den Etzel

Das bestellte Mittagessen mundete uns vorzüglich, besonders unserer Präsidentin, die über einem Haufen Grünfutter und Fleisch das strenge Gebot der Diät völlig missachtete. Da der Dessert etwas lange ausblieb zog sich unser Aufenthalt ziemlich in die Länge. Es wurden noch Karten geschrieben, photographiert und gesungen. Ungefähr um 230 machten wir uns an den Abstieg, der mancher von uns reichlich sauer vorkam. In Schindellegi erreichten wir noch rechtzeitig den Vieruhrzug, der uns nach Wädenswil hinunterbrachte. Dort reichte ein kurzer Aufenthalt im Café Brändli ein Coupe zu uns zu nehmen.

Um 5 Uhr fuhr das Schiff nach Zürich. Welch ein Märtyrium erwartete uns. Der Kasten war mit Menschen schon voll beladen. Nach einer 2½ stündigen Fahrt steigen wir in Zürich aus mit grosser Verspätung. Im Tram fuhren wir zum Bahnhof, wo es galt höchstes Tempo einzuschalten.
Unser Zug stand noch da, konnte jeden Augenblick abfahren, während wir auf die letzten Nachzügler warteten. Vom Peron aus suchten wir noch Platz, in aller Aufregung liefen wir immer weiter nach vorn. Der Zug setzte sich in Bewegung, wir stiegen aber nicht ein, denn wir waren doch erst 15 statt 20.
Wirklich die letzten fünf waren nirgends zu finden, und ebenso wirklich sassen sie im Zug und fuhren gegen Wil. Im hintersten Wagen mussten sie noch eingeschlichen sein.

Trotz dem dummen Zwischenfall hatten wir es noch sehr gemütlich, mit dem nächsten Bummelzug fuhren wir ebenfalls nach Wil. In Wil wurden die motorisierten Familienväter telephonisch benachrichtigt, damit sie uns abholen sollten.
Die Ausreissergruppe wurde am Bahnhof mit Heulen, Wehklagen und Zähneknirschen empfangen.

Affeltrangen, den 20. Februar 1951.

Die Aktuarin
T. Linder