Bericht des Frauenturntages in Kreuzlingen
Zum ersten mal, seit unsere Damenriege besteht, wagten wir uns an einen Frauenturntag. Trotz der vielen Arbeit, und was noch schlimmer war, die vielen Absenzen wegen Arbeitsdienst, gingen wir mit viel Mut nach Kreuzlingen. Jede Woche wurden die Freiübungen zwei Abende durchgenommen. Auch im Korbball wollten wir nicht die letzten sein.
Am Sonntagmorgen des 20. Aug. schien die Sonne wunderbar. 11 Turnerinnen warteten in Tobel auf den Zug. Die Fahrt verlief ganz ruhig, bis in Weinfelden noch mehrere Vereine sich anschlossen. Die Wagen wurden so überfüllt, dass der Kondukteur Schwyzer vor lauter Springen der Länge nach auf dem Perron landete, das dann zum allgemeinen Gelächter wurde. Um 8.45 Uhr kamen wir in Kreuzlingen an. Wir mussten pressieren, denn um 9.10 Uhr kamen schon die ersten an die Reihe zum 1. Korbballspiel. Zirka 5–600 Turnerinnen versammelten sich hier. Gespannt auf das Mikrophon horchend, hörten wir endlich: Spielplatz 5: Affeltrangen – Schönenberg. Noch etwas scheu im Spiel gewannen wir dann aber doch 2:1. Mit fröhlichen Herzen ging es um 10 Uhr zum 2. Spiel gegen Oberhofen. Aber mit einem solchen Schiedsrichter lässt sich nichts machen. Immer wurde bei uns abgepfiffen, was die anderen machten, war natürlich recht. Wir verspielten dann 13:0. Eine Wut über alle haben wir geschwungen. Nachher mussten sich sämtliche Turnerinnen auf den Boden setzen. Während wir der grellen Sonne ausgesetzt waren, hielt uns Herr Pfarrer eine Predigt. Aller Turnerinnen Augen hafteten sich an ihn. Er sprach von Kameradschaft und vom einander helfen. Die Predigt war sehr kurz. Nach dem Liede kam es zur Probe für die Freiübungen. Nochmals ein paar Spiele und wir sprangen auf den Schulplatz, wo es zu trinken gab. Auf den Stufen des Schulhauses sitzend, assen wir mit viel Appetit unseren Schüblig.
Schon früh des Nachmittags rief man schon wieder Affeltrangen durchs Mikrophon. Gegen Tägerwilen kämpften wir einen aussichtslosen Kampf. Schon wieder verloren wir mit 8:0. Während wir noch eine Weile den anderen zuschauten, kam die Reihenfolge an die Stafetten. Auch Margrit Fässler sprang für die grosse Berta. Sie war dort im Arbeitsdienst tätig. Von 12 Sektionen waren wir in 3. Linie. Es folgten noch Ballstafetten, die sehr interessant waren. Aber am schönsten fielen die Freiübungen aus. 600 Turnerinnen marschierten in vierer Kolonne in den Turnplatz, wo sie in 2 Teile geteilt wurden. Die Arme der ganzen Schar in die Höhe und wieder hinunter in die Tiefe, wer könnte sich ein schöneres Bild vorstellen. Mit ein paar Worten von Herrn Joss und dem Turnerlied verabschiedeten wir uns vom Fest.
Unser 6 marschierten wir wir mit Tempo an den See zu einem erfrischenden Bad. Ach wie das wohl tat. Um 5 Uhr ging es ins Café Park, wo uns die anderen erwarteten. Aber was sahen wir hier! Schon eine ganze Stunde waren sie da und hatten noch keinen Eiskaffee. Müde in den Beinen, schlenderten wir zum Zoll, um die schönen Zöllner zu betrachten. Während unser paar im Seeblick gemütlich beim Bier sassen, kam die lärmende Hälfte unserer Turnerinnen herangestürmt. Mit grossem Hallo erzählten sie uns, wie sie bei einer Hausglocke zogen, und dann davon sprangen. Unterdessen schnarchte der Zug heran und zuerst ein bisschen ruhig, nach und nach immer lauter und singend langten wir in Tobel an.
Fahne voraus und das Lied, wo Berge sich erheben im Munde, so erreichten wir den Löwen Affeltrangen. Mit einem heissen Fleischkäse stillten wir unseren Riesenhunger. Im Frohsinn schlossen wir unseren schönen Tag mit einer Portion Glace. Sicher hat jene Nacht jede Turnerin gut geschlafen. Dieser Tag ist uns heute noch in Erinnerung, wie wenn es erst gestern gewesen wäre.
Die Aktuarin: Lucia Jselin
aus dem Protokollbuch S. 9/10/11