1942 Gründung der Damenriege Affeltrangen

Protokoll der Damenriege Affeltrangen
gegründet im Jahre 1942

Damenriege GründungsprotokollAn einem schönen Abend fand im Stammlokal der turnerischen Vereine eine Versammlung der jungen Mädchen statt, die gewillt waren eine Damenriege zu gründen. Es fanden sich auch einige Mädchen ein und so wurde an diesem Abend auch der Vorstand gewählt, bestehend aus einer Präsidentin, ehemalige Berty Knöpfel, einer Kassierin Margrit Schmid und einer Aktuarin Frieda Heuer.
Die Leitung der Damenriege wurde der geschulten früheren Turnerin Hedy Stäheli übergeben. Als Aktivmitglieder waren: Berty Knöpfel, Margrit Fässler, Frieda Heuer, Margrit Schmid, Rosy Hugentobler, Heidi Vollenweider, Lina Ammann, Paula Okle, Heidi Knöpfel und Trudy Jung. Als Turntag wurde der Mittwoch bestimmt. Bei fröhlicher Stimmung wurde noch ein wenig ins Weinglas geschaut und der gemütliche Teil fand mit einigen Tänzen den Abschluss.

Das Turnen machte seinen Anfang und brachte bald fröhliche Stimmung in die Herzen der Turnerinnen. Schon im folgenden Jahre fanden sich neue Mitglieder ein: Alice Eisenhut, Lucia Okle, Leonie Hanselmann, Nelly Hörnlimann, Berty Zellweger und Klärli Gauch. Die Damenriege brachte sich mit Mühe der guten Leiterin bald empor. So durften wir zum ersten Male am 1. August 1943 öffentlich mit Freiübungen auftreten. Das gut abgelaufene Programm brachte bei allen Turnerinnen grosse Freude und Begeisterung. Die Damenriege liess sich auch in den kantonalen Verband aufschreiben und musste daher auch den vorgeschriebenen Marsch von 25 km zurück legen. Dieser Tag wurde an den 6. Juni festgesetzt.

Reisebericht vom 6.6.43

Befehl der Oberturnerin, Abmarsch Punkt 5 Uhr.
Gut gelaunt spazierten wir Turnerinnen dem Hause der Oberturnerin entgegen. Aber was mussten wir sehen, nur Trudy Jung war bereit, von der Oberturnerin war keine Spur. Wir schlugen Lärm! Da steckte Hedy den Kopf zum Fenster hinaus und rief: «I chomme grad». Um halb 6 Uhr, als endlich unser Verein zusammen war, marschierten wir ab. Mit frohem Mute gingen wir unseren 25 kmTippel entgegen. Bis Bänikon zeigte sich noch nicht so viel Humor. Dort in einem kleinen Garten lachten uns die Rosen an, so dass wir nicht widerstehen konnten. Unter lachen und singen zogen wir weiter und sorgten auch ohne Instrumente für Musik. Die andern lachten und spöttelten, natürlich Paula und Heidi haben die grössten Mäuler. So gegen 8 Uhr wurden wir ordentlich ruhiger, aber das ist ja zu verstehen, denn der Hunger quälte uns. Befehl vom Vorstand, es wird erst Znüni gegessen, wenn wir den See erblicken können. Niemand achtete auf unsere Nelly, die fast nicht mehr vorwärts kam, aber das ist ja zu begreifen, sie hat ja auch die kürzesten Beine. Endlich erblickten wir den See und konnten unsren langersehnten Znüni spachteln. Als wir alle gesättigt waren, zogen wir weiter. Beim Gut Eugensberg angekommen, wurden die ersten Photos geknipst. Als wir alles gesehen hatten, spazierten wir zurück, wo wir einem Photograf in die Hände fielen. Lucia erklärte ihm stolz, wir sind die Damenriege Affeltrangen. Als er das wusste, knipste er uns ab. Bei Kurtli Hanselmanns Hause angelangt, bat uns seine Mamma Most an. Da konnten wir unseren grossen Durst löschen. Die Oberturnerin, die Präsidentin und Heidi Vollenweider schauten natürlich zu tief ins Glas. Der Abstieg vom Eugensberg ins Hotel Schiff ging gut vorüber. Mit grossem Appetit nahmen wir das Mittagessen ein. Um 1 Uhr 30 bestiegen wir das Schiff, das uns nach Mammern führte. Frohen Humors liessen wir uns im Abteil der 2. Klasse nieder. Aber bald war die schöne Fahrt vorbei und wir mussten uns von den schönen Kabinenplätzen trennen. In Gottlieben wurden wir mit einigen Regentropfen empfangen und marschierten deshalb schnell dem Bahnhofe zu. Bald fuhr unser wieder der Heimat zu. Mit frohem Sang trafen wir in Affeltrangen ein, froh darüber unsren Marsch beendet zu haben. Voll Überraschung wurden uns noch von Frau Knöpfel ein guter «Znacht» serviert. Bald zeigte die Uhr halb 11 Uhr und so kam Frau Stäheli und begleitete seine Kinder nach Hause. Unter platzendem Regen nahmen wir Abschied voneinander.

Nun wurde uns von den Turnern mitgeteilt, dass im Winter 1943 ein Theater des Turnvereins unter Mitwirkung der Damenriege stattfinde. Welche Ehre für uns Turnerinnen, dass wir mit Freiübungen und einem Reigen auftreten durften.
Da einige Mitglieder infolge Wegzug aus dem Verein scheiden mussten, wurde das Amt der Aktuarin der Lucia Okle übergeben. Nun treten wir Turnerinnen mit guter Kameradschaft und Einigkeit an die erste Jahresversammlung.

Mit turnerischem Gruss: Die Aktuarin

Lucia Okle

Affeltrangen, den 5. März 1944