1937 | 25 Jahre TV Affeltrangen

Jubiläum, am 6. Mai, Auffahrtstag 1937

25 Jahre STV Affeltrangen FestabzeichenDüster, trübe, wirklich gar nichts versprechend bricht der 6. Mai heran. Kein blauer Fleck am Himmel.«Bei jedem Wetter» steht auf den Plakaten und Inseraten. Aber bis mittags kann noch manche Wolke verschwinden. Dies sei unser Trost und unsere Hoffnung!
Wirklich, das Wetter wurde gut. Nach reichlicher Überlegung beschloss Petrus mit seinem Wetterrat sämtliche Wolken zurückzuziehen; und schon kurz nach 12 h leuchtet Aetherblau und Sonnenglanz über dem Lauchetal. Alles, wirklich alles ist bereit zum Empfang der Festbesucher, Kasse wie Wirtschaft. Über dem Eingang flattert das weisse Kreuz im roten Feld. Der übrige Dorfteil ist leider nur spärlich beflaggt. Auf die angesetzte Zeit zieht jetzt das Volk heran. Massenhaft kommt es von nah und fern. Und erst der flotte Aufmarsch der Nachbarvereine. Man stelle sich vor, 8 Sektionen marschieren geschlossen auf, nämlich: Münchwilen (unsere Fahnensektion), Wängi, Matzingen, Thundorf, Märstetten, Berg, Märwil und Mettlen. Das beste Zeugnis der kameradschaftlichen Beziehungen zum Kreisturnverband. Auch ⅓ der eingeladenen Ehemaligen, nämlich 30 «Veteranen» traben auf. So wird unsere Festhalle voll. Um 2 Uhr ist der letzte mögliche Platz besetzt. Es werden beinahe 600 Personen anwesend sein! Man lässt los. Die Musik schmettert zwei Eröffnungsmärsche durch den Plauensaal. Darauf tritt Thalmann Ernst, unser Präsident auf die Bühne. Er begrüsst mit kurzen, markanten Worten die Anwesenden, die Vereine und die Ehemaligen. Er gibt auch noch bekannt, dass das Programm nach Ansage abgewickelt wird und er persönlich das Amt des «Lautsprechers» übernehmen werde. – Die strammen Affeltranger Musiker treten auf, zum zweiten Mal. – Sie sehen jetzt Produktionen der Jugendriege: ich schalte um auf Studio, meldet unser «Tätschmeister».

Der Vorhang fällt. 11 stramme Jungturner stellen sich dem Publikum vor. – Der 12., Daniel Heierle, aus Maltbach fehlt. Kurz vor dem Auftreten erlitt er während einer Vorübung einen Unterschenkelbruch. Welch unbegreifliche Fügung des Schicksals. – Ihre bunten und fröhlichen Nummern lösen einen ungeahnten Beifallssturm aus. Kurz war es, aber rassig und schön.
Durch Darbietung von zwei flotten Liedern zeigt jetzt der Männerchor ein Können. Man sieht es den Leuten an, sie geben sich alle Mühe zum Gelingen ihres Gesanges. Auch hier Applaus. –

Aber jetzt meldet man unsere «Elite», die Damenriege an. Freiübungen, 1. Gruppe, heisst es auf dem nicht offiziellen Programm. Mit ihrem Auftreten bricht eine seltene Stille über die Zuschauerreihen herein. Nichts hört man, als die Begleitmusik. Von einer solchen, nicht alltäglichen Sache will sich natürlich kein Anwesender etwas entgehen lassen. Sie machten ihre Sache auch wirklich flott, die Damenturnerinnen. Man kann ihnen, wie ihrem Leiter, Linder Fritz I, nur gratulieren. Nach meiner Ansicht spielte zu diesem Erfolg noch etwas anderes eine Rolle. Sie wollten durch ihre Hingabe und ihren Fleiss dem Leiter eine wohl zu gönnende Freude bereiten. Hoffen wir, es werde auch in Zukunft so bleiben, denn auch hier gilt der Leitspruch unserer Fahne; «Einigkeit macht stark!»

Nach kurzer Pause treten die Kunstturner von Münchwilen auf. Ihnen zur Seite finden wir auch zwei unserer «Gerätekanonen» der 3. Stufe, nämlich Linder Walter und Ryner Fritz. Ihre flotten, ja zum Teil prächtigen Leistungen an Pferd und Barren finden reichlichen Beifall des Publikums. – Zwischenspiel der Blechmusik. – Endlich treten auch wir, als Jubiläumssektion auf. Man bietet Freiübungen in gelockerter Aufstellung und in Nebenreihen, 15 Mann stark. Nach Aussage fremder Turner leisteten wir da sehr präzise Arbeit. Es war gleichzeitig eine gute Vorübung auf den Kreisturntag in Wigoltingen.
Anschliessend stellen wir uns auf zum Jubiläumsakt. Dazu kommen rechts von uns die Damenriege und links die Jungturner. Unser Präsident bittet den Festredner, Herr Kantonsrat Rieser, auf die Bühne, die er auch sogleich betritt und mit seiner Ansprache beginnt. Diese war so markant, so sinnvoll, ernst und doch wieder humoristisch, dass ich sie wortgetreu in den Bericht einbezog. Also sagte er

Jubiläumsansprache von Hrn. Kantonsrat Rieser:

Lieber Turner und Turnerinnen, werte Anwesende!

Es erweckt nachgerade den Anschein, diese Stätte sei auserkoren für zivile Affeltranger Weihvorgänge von besonderem Ausmasse. Durften wir vor weniger als Jahresfrist in diesem Raume das schmucke Banner der Schützen aus der Taufe heben. so gibt es heute, das Wiegenfest unseres Turnvereins zu begehen. – Dem Beobachter konnte es in den Jahren 1910/11 nicht entgehen, dass an gewissen Abenden der Woche Jünglinge nach Märwil schritten, in der Absicht gymnastischem Genügen stattzugeben. Bald erwachte in den jungen Männern das Verlangen, in unserem Dorfe einen eigenen Turnverein ins Leben zu rufen. Am stärksten bestätigte sich in dieser Hinsicht Julius Tobler, der bekanntlich heute noch Turner und zugleich Junggeselle ist. Er lebe hoch!
Der Gedanke wurde zur Tat, und anno 1912 kam das Wickelkind zur Welt. Obwohl etwas unterernährt im damaligen Lauchetalklima, reckte und streckte es sich, und schon 1914 treffen wir den zweijährigen Benjamin aktiv an einem kantonalen Turnfeste. Resultat: Eichenkranz im letzten Range. Das war eigentlich nicht grossartig, aber es war immerhin etwas zum Umhängen ans Vereinstäfelchen, etwas zum Heimnehmen und für jene Jugendlichkeit gerade genug als Auftrieb für erneutes Gestalten und Entfalten.
Von 1914 bis 1919 soll es um den Verein ziemlich stille gewesen sein, und Kinderkrankheiten bemächtigten sich immer noch seiner. Sie wurden alle glücklich überstanden und jeder Krisenschuss liess gleichsam vermehrten Existenzwillen gebären. Das Ausharren und Durchhalten war in jenen Jahren für Mitglieder und Leiter nicht immer leicht. Es fehlten mehrfache Voraussetzungen: Es mangelte ein passendes Uebungslokal; im Winter musste in einer kalten Scheune geturnt werden. Es gebrach nur zu oft an fachkundigen, autoritären Führern, und die Bevölkerung war mit ihren Sympathien keineswegs verschwenderisch. Jede Sturm- und Drangperiode liess jedoch auch wieder Leute auf den Plan treten, welche sich des Vereins führend annahmen. Oberturner Wepf tauchte das eine Mal im richtigen Momente als Retter auf, Hans Aegler, Sek.-Lehrer wusste ein andermal das sinkende Schifflein wieder in ruhige See zu steuern. Ein Jahr des Heils war 1924, indem damals der bewährte Turner und Schwinger Erwin Spirgi die Kommandobrücke betrat. Er brachte schöpferischen Geist und Zielsicherheit in die Gesellschaft. Weil er es auch verstand, die Gunst der Einwohnerschaft seinen Zwecken dienstbar zu machen, durfte man in demselben Sommer einen kühnen Schritt unternehmen. Man zog aus zur Konkurrenz ans Eidgenössische nach Genf. Mit einem Lorbeerkranz und begreiflichem Jubel kehrte die glückliche, kleine Schar an den Lauchestrand zurück. Spirgi schuf eine Neuorganisation, legte die hauptsächlichsten Chargen in die Hände junger Turner. Unter dem Regime von Oberturner Karl Linder jun. ging es nun unentwegt, ohne Rückschläge vorwärts und aufwärts. Es seien aus der kommenden rühmlichen Epoche die namhaftesten Daten aufgeführt: 1926 Kant. Turnfahrt auf Wildern. Das Unternehmen befriedigte auch finanziell. Die Mittel gestatteten die Anschaffung einer Fahne. Im Herbstschwinget desselben Jahres wurde ihr die Wiehe zuweil. 1927 Teilnahme am Kantonalen in Amriswil, 1928 Übernahme und Durchführung des kantonalen Schwingertages, Beteiligung am Eidgenössischen in Luzern; 1930 sieht man den Verein an der Arbeit in Kreuzlingen, 1932 in Aarau, 1934 in Bischofszell und 1936 in Winterthur, immer mit schönem, zum Teil sehr gutem Erfolge. Nicht unerwähnt seien die turnerischen Winterdarbietungen der letzten Zeit, sowie der Kreisturntag von 1933. Inzwischen erfuhr auch die Lokalfrage eine befriedigende Lösung. Nachdem auf Zusehen hin dieser Raum unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden war, liess sich in der Folge durch die Schul- und Ortsgemeinde ein Dauerlokal erwerben, das gute Dienste leistet und wofür sich der Turnverein auch zur Stunde dankbar erweist. Der geschichtliche Abriss wäre lückenhaft, wenn wir nicht der zugewandten Orte gedächten, welche sich in letzter Zeit angliederten, es sind dies die Männerriege, die Jungturnschaft und der Damenturnverein. Dem nimmermüden Oberturner Karl Linder ist wirklich manigfach Gelegenheit geboten, sein gymnastisches Geschick zu verwerten. Die Jungturnerschaft dürfte der unversiegbare Born bleiben, welcher nach Bedarf die Nachschübe liefert, so dass Mitgliederkrisen, wie man sie früher kannte, kaum mehr vorkommen werden. Ein anderer Kämpe aus der Linderdynastie, welcher vor ungefähr Jahresfrist zu den heimatlichen Penaten zurückkehrte, verwirklichte eine ausserordentlich glückliche Idee, als er die Töchtern des Dorfes und der Umgebung zu einer Damenriege, sagen wir ganz volkstümlich, zu einem Jungfernturnverein um sich zu scharen wusste. Wir kennen alle die hohe Bestimmung der Frau und müssen wissen, dass der Wert einer systematischen, harmonischen Körperkultur beim weiblichen Geschlechte nicht hoch genug angeschlagen werden kann.

Lieber Turner, Ihr habt als kräftige Schar mit markanten Gestalten glücklich den heutigen Tag erlebt. Ihr feiert Geburtstag. Wir gratulieren. Ich gratuliere vorab im Namen der Ortsvereine, der Musikgesellschaft, der Schützen und des Männerchors, ich gratuliere persönlich, und wenn ich drittens meine Glückwünsche darbringe, ohne spez. Auftrag, für die Behörden, die Einwohnerschaft und diese Festgemeinde, so entbehre ich nicht einer allgemeinen Billigung, des restlosen Einverständnisses.
Liebe Turner, ihr seid euch genugsam bewusst des Ziels und Zwecks eures Tuns. Ihr kräftigt euern Körper, stählt eure Nerven, dabei wohl wissend, dass im normalen Leibe eine gesunde Seele wohnt. Turnen schafft Kraft, Kraft verscheucht die Angst, erzeugt dagegen Mut, Zuversicht, Selbstvertrauen. Dies alles kommt euch zustatten. Der Besitzer von wahrer Kraft ist gefeit gegen manche Leidenschaft. Ich könnte mir den echten Turner nicht hochmütig, trunksüchtig, gehässig, launenhaft oder neidisch vorstellen. Liebe Turner, ihr stellt eure Kraft auch in den Dienst des Vaterlandes; ihr seid Soldaten, Unteroffiziere, Offiziere; der eidgenössische Turnverband dürfte die Kerntruppe der schweizerischen Armee bilden. Liebe Turner, ihr erfreut euch heute in hohem Masse der Gunst der Einwohnerschaft. Wahret euch die Zuneigung, indem ihr euren jetzigen Grundsätzen treu bleibt. Man muss einem Turnverein, den man liebt, wünschen, er möge im Zeitalter der sportlichen Übertreibungen und Entgleisungen nicht auch dem Sportfieber und der Ruhmsucht verfallen. In eurer Einladung zum heutigen Anlass schreibt ihr unterm 3. Februar folgendes: «Wir sind der Ansicht, dass man die Gelegenheit wieder einmal dazu benützen könnte, das gute Einvernehmen innerhalb der Ortsvereine zu bekunden durch ein kleines, gemeinsames Festchen. Deshalb laden wir Sie kameradschaftlich ein …». Wir loben diese Einstellung eures Präsidenten, Lehrer Thalmann, und des übrigen Vorstandes zu den andern Vereinen.
Liebe Turner vernachlässigt auch die Damenriege nicht. Vor einer Weile sprach ich von einem unversiegbaren Jungbrunnen, der Knabenturnschaft. Könnte nicht auch der Damenturnverein ein segenbringender Born für euch werden, oder ist er es gar schon? Als sonnige, umrankte Veranda am Turngebäude will mir diese Damenriege das eine mal erscheinen, ein andermal als lieblicher, lachender Blumengarten, in welchem farbenprächtige duftreiche Rosen, Nelken und Maierisli prangen, und wo man nicht einer einzigen Brennessel begegnet. Und ihr Turner scheint mir das kostenlose Vortrittsrecht zu haben in diese Gefilde; also betretet sie als mutige, untadelige Ritter und verfallet nicht bei der Eingangspforte auf den unglückseligen Gedanken, ihr besuchet eine Korbhandlung. – Deutlicher darf ich nun nicht mehr werden, sonst verfiele ich am heutigen Feiertage unwiderruflich in den Verdacht, bezahlter Agent eines Heiratsvermittlungsbureaus zu sein. Das würde aber nicht stimmen, in diese Branche brachte ich es noch nie zum Zahltag.
Liebe Turner, wir verstehen uns. Ich entbiete nachmals in jeder Richtung meine Gratulationen.
Turnverein Affeltrangen, heil heute am 6. Mai 1937, Heil in alle Zukunft!

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Dass er nicht einfach als «Herr Kantonsrat» zu uns redete, sondern als Volksvertreter, im Namen einer sympathischen Bevölkerung von nah und fern, uns gratulierte, beweist der Beifallssturm, der sein Abtreten begleitet. –
Unser Präsident dankt im Namen der Turnvereins Affeltrangen kurz und bündig für diese wirklich flotte Ansprache. Wir Turner tun dies auch, und zwar in Form einer Achtungstellung. – Noch besonders überraschend wirken für uns zwei hinzukommende Spezialgratulationen, nämlich die der Damenriege und die des Turnvereins Märwil. Eine Vertreterin der Damenriege [Frl. Aeschlimann aus Lommis] überreichte uns dieses Protokollbuch als Gratulationsgeschenk im Namen des Damenturnvereins Affeltrangen. Anschliessend spendet sie unserem Oberturner, Linder Karl, einen Blumenstrauss, mit den Worten: «Für ihre 12-jährige Tätigkeit als Oberturner des T.V.A., eine kleine Anerkennung, von der Damenriege.» Beides sei ihr im Namen unseres Vorstandes bestens verdankt. Besonders am Platze finde ich die «Ehrung» wenn man so sagen darf, unseres techn. Leiters, unseres Karls. 12 Jahre Oberturner eines Turnvereins heisst etwas! Wie viele Stunden hat er doch in diese Zeit aufgeopfert, für die weisse Schar von Affeltrangen! Solche Leistungen müssen wir anerkennen, selbst wenn es nur eine moralische Anerkennung sein sollte, ich hoffe, er tue dies ein jeder von uns. – Darauf tritt Herr Seiler, als Vertreter des «Süssmost-Turnvereins» (Märwil) auf die Bühne und überreicht unserem Präsidenten ein prächtiges Bouquet, verbunden mit einem Glückwunsch im Namen unserer Nachbarsektion Märwil, was ebenfalls verdankt wird. Aus dem Zuschauerraum erschallt neuerdings starker Beifall.
Endlich ist der Weihakt zu Ende. Der Vorhang fällt. – Pause! – Zur Abwechslung schauen wir uns ein wenig im Festsaal um. Da hat unsere Regiewirtschaft Hochbetrieb. Es herrscht aber auch durstiges Klima, wie man sich es besser nicht wünschen könnte. Bier fliesst in Strömen und Fass um fass wird leer. Durch die Zuschauerreihen flitzen die Turnerinnen, welche ihr Bestes tun, um die 300 Festbändel zu verkaufen; auch da ein voller Erfolg, denn schon um 5 h ist der letzte an den Mann gebracht, so dass sich z. B. Frl. Aeschlimann für den 1–6-fachen Wiederverkauf entschliessen musste. So was gibts natürlich nur an einem Jubiläum. Besten Dank an alle Verkäuferinnen im Namen des T.V.A. – Plötzlich meldet unser Präsident wieder etwas, wie: «Umschalten auf Studio!» Es beginnt der zweite Teil des Nachmittagsprogramms. Der Männerchor tritt auf und erfreut uns, wie das Publikum durch zwei rassige Lieder. Eines davon ist bekanntlich unser Turnerkantus: «Was ziehet so munter das Tal entlang ….» Da gibts natürlich begreiflichen Beifall.
Jetzt bieten die strammen Kunstturner von Münchwilen einer Serie Freiübungen, jeder etwas für sich, jeder etwas besonderes, alle jedoch etwas ausgezeichnetes. Handstand wie Überschlag wird da als Kinderspiel betrachtet. Es ist einfach ein Hochgenuss, solche Arbeit anzusehen, für Turner wie Nichtturner. Dies beweist auch der Applaus.
Durch das Abspielen des Aelusenmarsches von der Musikgesellschaft findet das Jubiläum 1. Teil gegen fünf Uhr seinen Abschluss. Innert kurzer Zeit steht der Plauensaal leer vor uns, denn das meiste Publikum ist heimgezogen. Allerdings mit der Versicherung, ich komme abends wieder, ja ich bringe euch noch manchen Kollegen, noch manche Freundin mit. Während diesen drei Stunden läuft natürlich nicht besonders viel. Wir sehen nur fröhliches Zusammensein, gemütliches Trinken und ein wenig Tanz, denn die Älplerkapelle vom Speicher ist angerückt, bei welcher man sofort ihre Volkstümlichkeit feststellen kann. – Ganz langsam aber sicher wird es Zeit für das Abendprogramm. Volk ist wirklich in Massen wieder angerückt. Kein Platz bleibt leer! – Man beginnt, Punkt 8 Uhr. – Das Programm stellt sich folgendermassen zusammen: 1. Alphornblasen; 2. Damenriege (Freiübungen 2. Gruppe); 3. Solojodel; 4. Gewehrreigen; 5. Alphornblasen und Fahnenschwingen; 6. Girlstanz; 7. Solojodel; 8. Volkstümliche Gruppe. –

Die dumpfen Melodien, die Sepp Kuster seinem Alphorn zu entlocken vermag, bringen Geborgserinnerungen in den Plauensaal. Die Akustik ist aber auch hervorragend. Die Freiübungen der Damenriege werden natürlich auch abends bewundert. Jetzt tritt unsere jugendliche Jodlerin, Fräulein Bauer, auf. Die Thurgauertracht steht ihr gar gut an. Ohne langes hin und her beginnt sie gleich. Glockenrein und freudig bewegt erklingen ihre Jodellieder und Jauchzer durch den überfüllten Festsaal. Der Beifall, den sie erntet, ist kaum zu beschreiben. Das «Grittli Wenger des Thurgaus» solche Bemerkungen fallen im Publikum. Wir können ihr zu diesem Erfolge nur gratulieren. Auch der Gewehrreigen der Aktiven wird applaudiert, wie man sich nicht im Traume vorgestellt hätte. Dass Kollege Robert von Maltbach seine «Flinte» in einem kühnen Bogen hinter dem Vorhang verschwinden lässt, stört in keiner Weise. Unser «Godi» schwingt zur Abwechslung die Schweizerfahne zu den Alphorntönen. Der Girlstanz, ausgeführt durch einige Mitglieder der Damenriege, wird brausend als eine Glanzleistung anerkannt. Frl. Bauer tritt auf, zum 2. Mal. Einfach flott, wie sie ihre Lieder vorträgt. Die Anwesenden sind ganz ausser sich vor Freude. Als Schluss des offiziellen Teils tritt eine volkstümliche Gruppe auf, die sich aus «Godi» Linder, Sepp Kuster und der Jodlerin zusammenstellt. Diese muss fast als Gegenstück ländlicher Unterhaltungskunst betrachtet werden. Der BEifall beweist dies ja zur Genüge. – Wir schalten um, zum eigentlichen Tanzbetrieb! – Die «Säntisbuebe» spielen fabelhaft. Ihre humoristischen Einlagen und fröhlichen Witze lösen die grössten Lachsalven aus. Die Anwesenden sind von A–Z befriedigt von unsern Produktionen. Daher wird unsere Wirtschaft selbst um Mitternacht noch stark in Anspruch genommen. In Sachen Speisen ist alles ausverkauft. Der Biervorrat geht seinem Ende entgegen. Aber auch unsere reellen Weine finden reichlich Absatz. Alles, wirklich alles hat geklappt bis jetzt. Der Abend verdient den Ausdruck «volkstümlich» in jeder Hinsicht. – Ihr habt uns mit euern Darbietungen wirklich genussreiche Stunden erleben lassen. dies sind die Abschiedsworte des langsam heimkehrenden Publikums. Von 2 bis halb 3 Uhr leert sich fast der ganze Saal, nur noch einige weinselige Gruppen sitzen beieinander. Dass Kamerad «Hitler» (Studer Adolf) und Robert von Maltbach, sowie ich die einzigen Mitglieder des Aktivvereins waren, die morgens 3 Uhr die gröbste Unordnung auf die Seite schafften, ist der sternenklaren Lenzesnacht zu verdanken gewesen, die sich am 6. Mai über das Tal der Lauche wölbte. – So ziehen auch wir heim, mit der Genugtuung, bis zuletzt in Position gestanden zu haben; jeder ist froh für die wenigen Stunden Schlaf, die er noch geniessen kann, denn morgens wartet wieder andere Arbeit auf uns, Arbeit die klares Denken fordert. – So ist unser langvorbereitetes Jubiläum verrauscht. Dass ein einziger gewesen ist, wird niemand bestreiten wollen, vor allem in moralischer Hinsicht. Aber was hat uns zu diesem Erfolg verholfen? Unsere Zusammenarbeit, unser Fleiss und unsere Einigkeit. Dank jedem Einzelnen, Dank den versch. Abteilungen, überhaupt ein warmer Dank an alle. – Unser Bannerspruch hat seine Wahrheit, seinen Sinn wieder einmal bewiesen. Er stehe fest und unerschüttert, auch in aller Zukunft: «Einigkeit macht stark!»

25 Jahre STV Affeltrangen Thurgauer Tagblatt